Didis Bücherturm

Sonntag, 17. Dezember 2017

Hier, wie versprochen, das 17. Söckchen unseres Blog-Adventskalenders - eine kleine, aber ungewöhnliche Weihnachtsgeschichte, zugleich eine Leseprobe von mir. Sie kommt ein paar Stunden verspätet, da ich gerade gesundheitlich nicht besonders gut drauf bin. Trotzdem viel Spaß beim Lesen!
Das nächste Söckchen findet Ihr unter einem dieser drei Links:

bloggewasichwill.de
mik-ina.de
by-arp.de/blog-by-arp/

Viel Spaß!


Salomonische Weihnacht

Zum Jahreswechsel vom neunzehnten ins zwanzigste Jahrhundert feierten viele Menschen in Deutschland nicht das neue Zeitalter, sondern betrauerten den Verlust der Achtzehn, die rund hundert Jahre lang allen Jahreszahlen vorausgegangen war. Die Neunzehn war manch einem im Kaiserreich unsympathisch – handelte es sich doch um eine Primzahl, die sich dem preußischen Ordnungssinn widersetzte und sich weder teilen noch irgendwo einsortieren ließ. Eine Primzahl als Beginn aller Jahreszahlen des neuen Jahrhunderts forderte künftiges Chaos heraus, und das alte war noch nicht einmal richtig verdaut. Dementsprechend gab es wenig Feiern, aber mehr Gedenken.

Im Deutschen Schutzgebiet auf den Salomoninseln östlich von Neuguinea war das nicht anders. Man saß jedoch am Sylvesterabend in der Handelsstation beisammen und trank den eigens zusammengebrauten Jahrhundertpunsch – mangels edler Weine aus dem Rheingau hatte man diverse einheimische alkoholische Getränke mit lokalen Obstsorten gemischt und damit ein einigermaßen schmackhaftes Getränk von zur Zeit unbekannter Bekömmlichkeit zustande gebracht.

Ein Jahrhundertpunsch war unerlässlich – daheim, also im Kaiserreich, trank man ihn auf allen Sylvesterfeiern, zu Hause oder in den Bierhallen, mit köstlichen heimatlichen Zutaten, die hier in den Kolonien nicht erhältlich waren.

Von Rohde, der oberste Verwaltungsbeamte des nördlichen Salomon-Archipels, Stellvertreter des deutschen Gouverneurs von Neuguinea und Ozeanien, hatte mit seiner Familie den Sylvesterabend arrangiert – eingeladen war die gesamte Verwandtschaft des Handelsbeauftragten Leyensieff, also er selbst und seine gerade erst heiratsfähig gewordene Tochter, deren Kölner Akzent mehr an die deutsche Heimat erinnerte als das kühle Hamburger "Missingsch" von Balthasar Bohnsack, dem Besitzer der hiesigen Werft, die nichts weiter war als ein Stück schlammiges Ufer, wo bisweilen irgendwelche seeuntüchtige Dampfschiffe, die sich in diese am weitesten abgelegene aller deutschen Kolonien verirrt hatten, Monate oder Jahre auf Ersatzteile warteten und meist bei deren Eintreffen bereits verrottet waren. Außerdem war der junge Leutnant Friedrich Freiherr von Templin anwesend, der zur Zeit der höchste Vertreter des Reichsheeres vor Ort war.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Ich bin dabei!

... im diesjährigen Blogger-Adventskalender!

Schon seit neun Jahren gibt es den Blogger-Adventskalender "24 Söckchen", der nun bei Alex und seinem Blog "Selbstexperiment.de" beheimatet ist. Jede Bloggerin und jeder Blogger wartet mit einer kleinen Überraschung auf und nennt am Ende seines Beitrags die Adresse des Blogs, auf dem das nächste "Söckchen" wartet - oder vielmehr drei Blogadressen, denn die Leser(innen) sollen ruhig ein wenig suchen. Wie es genau funktioniert, hat Alex hier formuliert:
 http://www.selbstexperiment.de/2017/11/24-soeckchen-der-blog-adventskalender-2017/
Hier die bereits geöffneten "Söckchen":
1. http://www.selbstexperiment.de/2017/12/blog-adventskalender-2017-1-soeckchen/
2. https://www.ostwestf4le.de/2017/12/02/blog-adventskalender-2017-2-soeckchen-die-schoensten-weihnachtsfilme/
3. http://by-arp.de/blog-adventskalender-das-dritte-soeckchen/





Dienstag, 14. November 2017

Schüssler und die verschwundenen Mädchen

So wird das Titelbild aussehen
Bereits im April 2018 wird mein neues Buch erscheinen! "Schüssler und die verschwundenen Mädchen" spielt in den 1890er Jahren in Augsburg, Horgau und Umgebung, ist aber nicht der typische Heimatkrimi. Wenn die beiden Ermittler Ludwig Schüssler und Caroline Geiger gut von den Leserinnen und Lesern angenommen werden, schreibe ich bestimmt noch einen weiteren Roman mit diesem Team.
Zunächst habe ich aber gleich mehrere andere Projekte, an denen ich arbeite. Gute Recherche dauert halt seine Zeit, macht aber viel Spaß.

Lesungen 
Um meinen neuen Roman möglichst vielen Leuten vorzustellen, plane ich im Frühjahr eine Reihe von Lesungen, nicht nur hier im Großraum Augsburg, sondern auch in Westfalen, wo ich geboren und aufgewachsen bin. Interessierte Buchhändler und andere Veranstalter bitte ich, mich zu kontaktieren.

Die Frühjahrsvorschau des Verlags liegt bereits als pdf vor. Auf den Seiten 10 und 11 findet man die Ankündigung meines Romans. Schaut einfach mal HIER!

Mittwoch, 1. November 2017

Vergesst die Backlist-Titel nicht!



 Vor Kurzem ist in Frankfurt wieder die weltgrößte Buchmesse zu Ende gegangen – über 7100 Aussteller präsentierten mehr als 400.000 Ausstellungsstücke (Bücher, Landkarten und digitale Produkte - Hörbücher und eBooks – Quelle: www.messen.de ).
Wer soll das alles lesen, frage ich mich. Nun, die meisten Neuveröffentlichungen sind wissenschaftlicher Natur, aber dadurch, dass eBooks und Werke von Selfpublishern jetzt mitgerechnet werden, hat die Belletristik längst prozentmäßig einen höheren Anteil. Immer mehr Lesestoff!
Viele Buchbegeisterte bemühen sich, die wichtigsten Neuerscheinungen zu lesen, was aber wahrscheinlich in einem halben Jahr nicht zu schaffen ist, denn da wartet dann die Leipziger Buchmesse mit weiteren Neuerscheinungen auf. Bei den Buchblogger(inne)n wird der Stapel noch zu lesender Bücher immer höher, die Besprechungen immer kürzer oder oberflächlicher.

Ich habe beschlossen, mich nicht selbst so unter Druck zu setzen – ich bespreche wenige Bücher: Fast nur die, die mir gefallen oder hin und wieder eins, über das ich mich besonders geärgert habe. Meist liegt die Buchmesse dann schon eine Weile zurück, oder es hat dann schon die nächste stattgefunden. Mein Buchhändler sagt, dass die Leute dann eher Neuerscheinungen verlangen und in die „alten“ gar nicht mehr hinein schauen, selbst wenn er sie aus dem Regal nimmt und auf den Tisch legt. Das ist schade, und es ist Verschwendung wertvoller Ressourcen.

An einem Buch hat ein Autor oder eine Autorin viele Monate gearbeitet, oft sogar Jahre, hat Lebenszeit und Lebenserfahrung hineingesteckt, Energie, Hoffnung und „Herzblut“. Und das nur, damit das Buch nach einem halben Jahr vom Markt verschwindet?
Es gibt Verlage, die führen noch eine Backlist und bewerben auch Bücher, die ein halbes Jahr oder älter sind – solche Verleger gefallen mir, denn sie zeigen damit, dass sie ihre Bücher lieben und auch für ihre Autoren sorgen.  Als Autor freue ich mich natürlich, wenn mein Buch länger erhältlich ist als nur ein paar Monate nach Erscheinen. Oft braucht die Presse einige Zeit, um Rezensionen zu schreiben (zumal wenn der Autor nicht zu den bekannten Koryphäen zählt), und die Buchhandlungen machen natürlich nur Lesungen, wenn damit zu rechnen ist, dass auch noch Bücher verkauft werden können.
Ein anderer Punkt ist, dass ein Buch sich nachträglich noch als Best- oder Longseller erweisen kann, oder dass manch ein Leser sich einen bestimmten Titel erst später kauft, weil er nicht all die Neuerscheinungen, die zur Messezeit auf den Markt kommen, gleichzeitig wahrnimmt und schon gar nicht gleichzeitig kaufen kann.

Ich zum Beispiel mache unter älteren Büchern so manche Entdeckung. Das muss nicht erst auf dem Wühltisch passieren (das ist ohnehin eine schädliche Einrichtung, denn dort landen Bücher oft viel zu schnell, weil speziell die großen Verlage den Lagerplatz möglichst bald wieder brauchen und durch die Verramschung nicht nur Lagerkosten sparen, sondern auch noch das Stückhonorar des Autors), sondern ich suche, wenn mir ein Buch gefallen hat, auch noch nach anderen, eben älteren, Titeln des Autors, die es von ihm gibt. Dass ich als Leser diese Chance habe, ist meist einer Backlist zu verdanken.
Dass Bücher damit länger auf dem Markt sind, freut einerseits den Leser, der auf Empfehlungen durch Rezensionen oder Mundpropaganda noch zurückgreifen kann, andererseits den Buchhändler, der seine Regale nicht ständig für immer mehr Kurzlebiges umräumen muss und vor allem weniger remittiert.

Ich habe zur Zeit einen ganzen Stapel „Backlist“ und aktuelle Titel hier liegen, größtenteils frisch gelesen, und ich werde in der nächsten Zeit sicher etwas darüber schreiben:
Rainer Gross: „Grafeneck“
Rainer Gross: „Kettenacker“
Alexander Häusser: „Zeppelin!“
Mechtild Borrmann: „Wer das Schweigen bricht“
Andreas Kollender: „Kolbe“
Andreas Kollender: „Von allen guten Geistern“
(diese Titel stammen allesamt aus dem Pendragon-Verlag)

Weiterhin liegen hier:
Jan Hoffmann: „Tod in Augsburg“ (emons:)
und Tom Rob Smith: „The Farm“ (Simon  Schuster) – dieses Buch lese ich gerade. Spannend, mitreißende Geschichte, aber in sehr winziger Schrift!

Mittwoch, 25. Oktober 2017

Trump 1984

Die britische Grafikdesignerin Emma King hat Tausende von Donald Trumps berüchtigte Tweets gesichtet und damit eine verblüffende Version von Orwells "1984" zusammengestellt - anzusehen in der neuen Ausgabe der Zeitschrift "dezeen". Hier ist der direkte LINK zum Artikel!

Dienstag, 29. August 2017

Roman abgeliefert!



Endlich, mit mehr als einem halben Jahr Verspätung, habe ich das Manuskript eines Kriminalromans an einen Verlag geliefert, eines Romans, der Ende des 19. Jahrhunderts in Augsburg spielt. Ich habe viel recherchiert, besonders die Details: Wie hat man damals in Augsburg gelebt, wie sah es in der Stadt aus, mit welchem Geld hat man bezahlt, welches Bier hat man getrunken und zu welchem Preis, wie war die Polizei organisiert, wie sah es in der Umgebung aus, wie ging es auf dem Lande zu?
Natürlich habe ich vor dem Schreibbeginn eine Grundrecherche gemacht, aber beim der konkreten Arbeit brauchte ich natürlich Details: Fuhr zu meiner gewählten Zeit am Perlachberg noch die Pferdebahn oder schon die Elektrische? Und wenn keine von beiden – warum nicht? Gab es schon Touristen in Augsburg? Warum dann meistens Briten? Wo waren die Kasernen, wie hießen die Regimenter, wo haben die Soldaten ihre Freizeit und ihren Sold versoffen? Fast bis zur letzten Seite habe ich noch Details geprüft. Ich habe zum Beispiel nachgeschaut, wie die Keltenschanzen in den Wäldern aussehen, warum die Kirchen in den Dörfern ihren jeweiligen Namen tragen, wann welche Eisenbahnstrecke gebaut wurde, wie die Augsburger über die Eingliederung ihrer Heimat ins deutsche Reich dachten und, und, und. Manches Ergebnis habe ich dann gar nicht im Roman verwendet, weil ich die Geschichte nicht mit „Wissen“ überfrachten wollte.
Ein großer Teil der Geschichte spielt in der Augsburger Altstadt
 Die meisten Autoren beschweren sich darüber, wie anstrengend die Recherche für einen Roman sei. Ich halte das für Großtuerei und Lobfischen. Für mich ist dieses Recherchieren der spannendste, abenteuerlichste und vor allem der lehrreichste Teil der Arbeit, und manchmal habe ich mich im Internet regelrecht verfranst – was mir in der Realität nicht passiert ist, auch wenn ich mir vor Ort die Bauweise der Keltenschanzen oder die Atmosphäre hundert Jahre aller Biergärten angeschaut habe. Besonderen Spaß hat mir das Überprüfen der Namen gemacht, den ich wollte ja keine real existierende oder verstorbene Person benennen. Dabei hat Augsburg interessante Nachnamen, die aus alter Zeit stammen: Fugger und Welser, Mozart und Brecht kann man in so einem Roman allerdings nicht verwenden, es sei denn, es geht gerade um diese Personen, aber wie wäre es mit Halbleib, Habenicht, Langenmantel, Großkopf, Hackepeter?
Ich glaube, ich habe ein spannendes Buch zusammengestellt, und das in einer Zeit, in der es privat drunter und drüber ging (siehe vorigen Beitrag weiter unten).
Mein Buch wird hoffentlich bald erscheinen. Ich plane Lesereise – eine hier in Bayern/Schwaben, eine zweite im Westfälischen und im Ruhrgebiet. Vielleicht treffen wir uns ja mal bei einer Lesung? Ich werde alle Termine in diesem Blog ankündigen.

Zum Schluss noch ein Hinweis aus meiner „Linkwundertüte“ (Nr. 3/100): Wenn Ihr Krimis lest oder welche im Fernsehen anschaut, dann ist Euch sicher schon aufgefallen, dass häufig gleich ein „Gerichtsmediziner“ oder gar ein „Pathologe“ am Tatort auftaucht und durch voreilige Schlüsse dem Ermittler ins Handwerk pfuscht.  Das ist fern jeder Realität. Was es mit den Gerichtsmedizinern auf sich hat, was sie wirklich tun und wann sie hinzugezogen werden, das hat Rosemarie Benke-Bursian akribisch und ausführlich recherchiert.


Montag, 28. August 2017

Fertig!

Lange habe ich an meinem neuen Roman geschrieben - ein halbes Jahr länger als geplant. Ich habe nicht nur mehr recherchiert als sonst, um die richtige Atmosphäre zu treffen, war viel unterwegs, habe viel gelesen, viel im Internet überprüft.Ich habe versucht, in die Zeit um 1890/1900 einzutauchen, und es hat mich viel Nerven gekostet, immer und immer wieder unterbrochen zu werden. (Dass ich immer noch nicht mit voller Konzentration arbeite, zeigt dieser Beitrag, der im Folgenden ins Private abschweift - über meine Arbeit schreibe ich im nächsen Beitrag, den ihr weiter oben findet.)

Alte Keltenschanze bei Horgau, ein Schauplatz meines Romans




Privates
Normalerweise ist es nicht meine Art, hier Persönliches darzustellen, aber ich möchte meinen Lesern schon mitteilen, wieso es seit drei Jahren kein neues Buch von mir gibt. Es sind  eine Menge unvorhergesehender Dinge passiert - zum Beispiel die Trennung von meiner Frau, die mit unserem Kind und ein paar wenigen Sachen ausgezogen ist. Nun, es ist schade, dass diese Beziehung auseinander gegangen ist, aber wenn sie glaubt, uns allein finanziert zu haben, irrt sie. Ich habe mich nicht nur überwiegend um die Kleine gekümmert, ich habe ihr auch viel beigestanden bei einem Buchführungskurs, bei dem sie ständig Verständnisfragen hatte, ich habe die Hausaufgaben korrigiert, gescannt oder in pdf verwandelt und versandt, habe allen Behördenkram erledigt, einschließlich Steuererklärung (obwohl sie nach dem Buchführungslehrgang besser dafür qualifiziert gewesen wäre), dazu gings dann um Bewerbungen, Besuche auf Jobmessen (immer mit dem sprachlichen Argument, denn sie ist - oder war! - Ausländerin, hat aber jetzt die deutsche Staatsbürgerschaft. Natürlich nicht ohne Zeitaufwand meinerseits). Fast täglich kochen, einkaufen, Wege zum Kindergarten. Dortige Termine habe ihnehin immer ich wahrgenommen, genau wie die zeitaufwändigen Fahrten zum Kinderarzt. Führerschein. Autokauf mit Besuchen in mehreren Autohäusern. Kreditanträge. Und dann die ewigen Streitereien darum, dass ich meine Romane nicht fertig bekam (die Carl-Zeiss-Biografie ging völlig den Bach runter, ebenso mehrere andere Terminaufträge). Hin und wieder habe ich mich in die Stadtbücherei geflüchtet, um da zu arbeiten, aber mein Laptop pfeift mittlerweile auf den letzten Löchern. Nichts bekam ich mehr pünktlich hin.
Housesitting und Arbeit lassen sich gut kombinieren
 Arbeit
Jetzt geht es aufwärts. Ich habe zeitweise unsere Tochter bei mir (und zwar gern - sie ist mein großes Glück im Leben). Es ist aber wie eine Befreiung, dass ist jetzt manchmal mehrere Stunden an einem Stück arbeiten kann, ohne jederzeit mit Unterbrechungen rechnen zu müssen (oft kamen die alle zehn Minuten oder häufiger, so dass ich die Zeiten, in denen meine Frau arbeiten war, mit einem Wust von häuslichen Aufgaben und überflüssigen Korrespondenzen wie dem Umtausch von Fehlkäufen, aber vor allem mit Korrekturen der gestern "verbrochenen" Manuskriptseiten verplempern musste, statt Neues zu schreiben). Jetzt habe ich zum ersten Mal wieder einen Roman abgeliefert, habe wieder die Möglichkeit, zu lesen oder Freunde zu treffen, habe wieder "input", der ja fürs Schreiben unerlässlich ist. Meine Tage sind im positiven Sinne "ausgefüllt". Ich habe zwar aufgrund der Trennung auch wieder eine Menge Papierkram (dessen Ende absehbar ist), komme aber mehr zum Schreiben als bisher, da ich meine kreativen Momente genau dafür verwenden kann.   
Neue Pläne machen
 Pläne
Ich habe noch drei Romanaufträge zu bearbeiten, verwende danach dann mein unfertiges Zeiss-Manuskript, um daraus noch etwas zu machen, und es  kommen wieder jede Menge Ideen. Ich habe noch einen Korrekturauftrag, den ich nebenher machen kann, aber zu meiner Absicherung übernehme ich Arbeit an Messeständen (habe ich früher oft gemacht), aber auch Housesitting und Korrektorate. Das lässt sich alles gut miteinander verbinden. Wer meine günstigen Preise für Korrekturen erfahren will, sollte sich mal einen älteren Beitrag  in diesem Blog anschauen.



 

Montag, 1. Mai 2017

Die Schreibblockade



Eine bequeme Form des Zeitvertreibs 
Nein, dies ist kein weiterer Ratschlag, was man tun kann, wenn man vor einer leeren Datei sitzt und nicht weiß, was man hineinschreiben könnte. Oder was man macht, wenn man mitten in einem Roman steckenbleibt. Solche Ratschläge gibt es zu Tausenden – im Internet, als eBook, sogar als gedrucktes Buch. Auf die meisten Ratschläge könnte man mit ein bisschen Denken von selbst kommen – ein anderes Projekt überarbeiten, bei Twitter oder Pinterest vorbeischauen, einen Kaffee machen, mit dem Kind spielen usw. Wenn ich schreiben muss, um Geld zu verdienen, und das ist nun mal so, habe ich immer mehrere zugleich in Arbeit. Geht’s bei einem Projekt nicht weiter, schreibe ich an meinem anderen oder einem dritten. Oder ich setze mich mit einem Schreibblock in den nächsten Biergarten oder wintertags ins Krankenhauscafé und mache Brainstorming und neue Pläne.
Der Putz der Friedhofsmauer - wie eine Fantasy-Landkarte

Gestern bin ich ohne lange zu fackeln zu einem Spaziergang aufgebrochen (habe eine Regenpause dazu benutzt). Zuerst auf den Friedhof, wo nicht nur ein paarhundert Menschen, sondern Tausende von geplanten und nicht zu Ende geführten Projekten begraben liegen. Das ermuntert, das lässt eigene Projekte drängen. Am liebsten wäre ich dann gleich wieder am Schreibtisch.
Kaulquappen im Teich hinterm Bahndamm

Ich zwinge mich dann dazu, meinen Spaziergang etwas auszudehnen. Die Umgebung, in der ich wohne, ist eine Mischung aus billigen, aber völlig trostlosen Wohngebieten und Gewerbeflächen mit Kleinbetrieben. Ist das die Gegend, in der ich für immer wohnen bleiben möchte? Sicher nicht. Ab nach Hause, ab an den Schreibtisch!
Eselwiese mit Gasometer

Ich nehme den „angenehmen“ Weg nach Hause, parallel zur Bahnstrecke, wo sich Froschteiche, Gärtnereien, eine Eselwiese und ein Biergarten im Bannkreis eines riesigen Gasometers aneinander reihen. Bleibe hier und da stehen. Die aneinander gereihten Gedanken und Ideen verdichten sich. Während der PC noch hochläuft, formuliert sich im Kopf schon der nächste Satz.
Hirblinger Hof (rechts) mit Gasometer









Die Linkwundertüte, 2/100
Kann man mit Schreibblogs Geld verdienen? Ja, man kann, aber vorher ist Einiges zu tun. Über VG WORT und Zählmarken berichtet dieser Blogbeitrag des Literaturcafés: http://www.literaturcafe.de/vg-wort-texte-im-netz/

Samstag, 25. März 2017

Die Leiden des Korrektors



Wie ihr wisst, biete ich auch Korrektur- und Lektoratsarbeiten an. Nun fragte mich vor einiger Zeit ein Kollege, ob ich seine Erzählungen zu einem Sammelband zusammenstellen könnte. Ich kann hier keinen Namen nennen, das Problem ist auch nicht nur speziell seins, sondern tritt sehr häufig auf, daher sind die folgenden Ausführungen nur ein Beispiel für allgemeine Schwierigkeiten bei dieser Arbeit, aber keineswegs übertrieben. Ich schreibe das hier nicht, um mich zu beklagen, sondern um Euch zu sagen, wie es lieber nicht laufen soll.
Foto: Danke an pixabay

Nun ja, in diesem Fall war es so: Ich kannte einen Teil der Texte, und dass es siebenhundert Seiten werden könnten, fand ich nicht weiter schlimm. Ich könnte, dachte ich, alle die einzelnen Dateien in eine große Hauptdatei kopieren, markieren, gemeinsam formatieren: Schrift, Seitenränder, Absätze, Überschriften. Dann meine Korrekturen anbringen. Ich sagte zu, schätzte meine Zeit, machte einen Freundschaftspreis aus. Dann bekam ich die Dateien zugesandt. Rund 120 einzelne Manuskripte.

Und dann kam der Text …
Teils als Word-Datei, teils eingescannt. Eingescannt! Eine Katastrophe, besonders, wenn ein Text teilweise oder ganz aus jpg-Dateien (also Bildern) besteht. Dann muss ich diese ausdrucken und neu als OCR-Datei in Text verwandeln, und wenn das nicht geht, per Hand abschreiben.
Zwar gibt es inzwischen ganz gute OCR-Software, aber in diesem Fall half mir das nichts. Einige Texte waren aus bereits existierenden Veröffentlichungen, also schon gesetzt, andere waren in verschiedenen Copyshops mit unterschiedlicher Software eingescannt. Die Manuskripte hatten unterschiedliche Schriften und Randbreiten, waren in unterschiedlichen Word-Versionen, hatten Seitenzahlen oben mittig, unten rechts, oben links oder rechts, Kopf- und Fußzeilen, waren hartnäckig kopiergeschützt oder hatten Rahmen, die sich nicht löschen ließen, sondern sich bei dem bloßen Versuch auch in die anderen Texte ausbreiteten.
Anführungszeichen – erst unten, dann oben, beide oben, schräg, gerade, gebogen, französische Zeichen, Schweizer Variante und was sonst noch alles möglich ist, manchmal unterschiedlich in einem Satz.
Adressenstempel am Rand, oft sogar schräg – das gibt abenteuerliche grafische Effekte, mitunter reif für die moderne Kunstgalerie. Ha, und erst die autoreigenen Korrekturen – getippext oder einfach gleich mit Schreibmaschine überschrieben, handschriftlich über das Wort (winzig), an den Rand (nur zur Hälfte mit eingescannt) oder nochmal durchgestrichen und mit Sternchen versehen, dass dann nirgendwo hinführt. Oft habe ich solche Texte mehr geraten als korrigiert, und einmal kam dabei ein vollkommen neue Geschichte heraus.
Insgesamt eine Heidenarbeit, und mehrmals stand ich kurz davor, einfach aufzugeben und unter entsprechendem Protest zurückzusenden. Aber es war nun mal ein Freundschaftsdienst, ein verhältnismäßig kleiner Dank dafür, dass der betreffende Kollege mir in der Vergangenheit schon mehrfach aus der Patsche geholfen hat. Natürlich habe ich ein Honorar dafür bekommen, aber es stand in keinem Verhältnis zum Zeitaufwand: Da sich entgegen meiner ursprünglichen Annahme die Texte nicht einfach in eine große Datei kopieren und zusammen formatieren ließen, hatte ich jede Menge Detailarbeit. Jede einzelne neu in die Hauptdatei kopierte Geschichte vernichtete oder veränderte die bisherige Formatierung, nichts blieb wie es war. Der Autor ist Meister der Pünktchen-Auslassung: Drei Pünktchen direkt am Wort, ohne Leertaste, oder mit Leertaste nur davor statt dahinter, Leertasten zwischen den einzelnen Pünktchen, mal mit einem Komma dazwischen, dann nur zwei oder aber vier Pünktchen …
Mit der nötigen Vereinheitlichung, dem Entfernen von Trennstrichen und der Verortung von wörtlicher Rede im „zuständigen“ Absatz habe ich deutlich mehr als 12.000 Einzelkorrekturen durchgeführt.

Nie, nie wieder?
Vielleicht doch. Ich habe eine Menge übers Formatieren gelernt, habe Verständnis dafür gefunden, dass ein Verlag ein Manuskript nahezu ungelesen zurückschickt (oder in den Papierkorb steckt), habe wieder einmal deutlich mitbekommen, dass ein Manuskript mehrfach gelesen werden muss – vom Autor, von einem Freund, vom Korrektor, vom Lektor – selbst wenn deutlich weniger darin steckt. Mein Fazit ist nur, einen Text erst weitgehend zu lesen, bevor man ein Preisangebot macht, oder sich nach Stunden bezahlen lassen. Doch das ist unter Freunden natürlich manchmal schwierig.

Interner LINK zum Thema in diesem Blog
 
Neu: 100 mal die „Linkwundertüte“!
meine Linktipps stehen in der Regel nicht im Zusammenhang mit dem darüberstehenden Beitrag, sondern sind ein kleiner Sonderservice für Schreibende – die Technik des Schreibens betreffend, Recherche, interessante Berichte in Magazinen und anderen Blogs usw. – immer eine kleine Überraschung!).
Heute:
Linkwundertüte - Tipp 1/100
Zum Thema „Digitaler Nachlass“ - ein interessanter Beitrag aus der „Selfpublisherbibel“.